Markus Luepertz vertelt
Aber schult der Umgang mit Kunst nicht? Sammler entwickeln sich doch.
Alle Sammler zeitgenössischer Kunst, die ich kennengelernt habe, waren anfänglich unschuldig. Sie haben gekauft, was sie mochten. Im Urlaub sahen die einen Straßenmaler, der malte den Montmartre. Das fanden sie schön. Da hat die Frau gesagt: »Mensch, Karle, kauf das!« Der Mann hat’s gekauft, und dann hat er das nächste gekauft. Irgendwann trat er dann als Mann auf, der bereit war, für Kunst Geld auszugeben. Dann kam er in die Hände von Leuten, die das professionell betreiben. Und die haben ihm gesagt, was er zu sammeln hat. Und diese ganzen wunderschönen, unschuldigen Anfänge, die eigentlich jede Sammlung auszeichnen, weil sie einen Weg verraten, die wurden dann ausgemerzt. Danach war das, was kam, windschnittig – der Zeit und dem Zeitgeschmack angepasst.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/index.php?id=110&tx_ttnews[catSelection]=6&tx_ttnews[showUid]=339&tx_ttnews[tt_news]=3496&cHash=e445696f86